Warum das „Hass im Netz“-Framing falsch ist

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Ich glaube, wir müssen uns noch einmal über dieses „Hass im Netz“-Framing unterhalten. Ich lehne es ab und das ist der Grund. Es wird von den Mächtigen dazu benutzt,um sich als Opfer zu gerieren. Gleichbedeutend mit Betroffenen von Rassismus, Antisemitismus, Misogynie etc #NatsAnalyse
Ich erinnere auch an die Causa Babyhitler, als die Titanic Kanzler Kurz so bezeichnet hat. Oder die FPÖ, die immer wieder die abgestellten Grablichter (als Symbol des zu Grabe getragenen 8-Stunden-Arbeitstags) als Morddrohungen umdeuten. All das ist auf einmal „Hass im Netz“.
 
Und es wird gleichgesetzt mit Mord- und Vergewaltigungsdrohungen, Rassismus, Antisemitismus etc pp. Dadurch, dass diese Leute auch mehr Aufmerksamkeit haben, wird es sogar als schlimmer dargestellt. Die Edtstadler-Sache steht morgen in jeder Zeitung. 
Drohungen gegen freie Journalistinnen oder Aktivistinnen, gegen Antifaschist_innen oder Leute, die nicht „deutsch“ genug sind, bleiben unberichtet. Das ist eine Mimikry-Strategie. Ein bestehender Diskurs wird zu eigenen Gunsten nachgeahmt. 
Und es werden wieder einmal falsche Äquivalente gesetzt (beliebte Strategie): etwas, das irgendwie ähnlich klingt wird gleichgesetzt, obwohl es nicht gleich ist. Rassismus usw. sind ja keine persönlichen Fehlleistungen, sondern ein gesellschaftliches Verhältnis. 
Rassismus usw. ist ja keine Sache, die sich zwei Menschen ausmachen müssen, sondern ein tief in der Gesellschaft verankertes Machtverhältnis. Ziel ist nicht „nur“ eine einzelne Person, sondern alle, die zu „dieser“ Gruppe gezählt werden. Es soll die „Anderen“ unten halten. 
Schlechte, geschmacklose whatever Witze und Satire kann man gerne diskutieren. Das Wesen von Satire ist, dass sie immer gegen oben geht. „Satire“ gegen unten (als solche, die Rassismus etc. beinhaltet) ist einfach nur grausam. Andere Debatten. Gerne zu führen. 
In jedem Fall ist das nicht alles unter „Hass im Netz“ zu subsumieren. Es findet auch nicht nur im Netz statt, die sozialen Medien sind nur Katalysatoren für längst in der Gesellschaft vorhandene Realitäten. Auch eine interessante Diskussion, inwieweit sie diese weiter befördern. 
„Hass im Netz“ verschleiert Machtverhältnisse und setzt jede böse Satire und jedes unwirsche Wort mit Rassismus, Antisemitismus, Misogynie etc. gleich. Das ist nicht nur unredlich, sondern gibt den Mächtigen die Möglichkeit, sich als die EIGENTLICHEN Opfer zu präsentieren. 
Das wiederum immunisiert gegen Kritik, weil man bei jeder Kritik „Hass im Netz“ schreien kann. Nein, nennen wir die Dinge beim Namen. Wir reden hier von Rassismus. Wir reden von Homophobie. Wir reden von Hass auf queere und trans Menschen. Wir reden von Antisemitismus. Usw. 
Oben sein und gleichzeitig Opfer sein zu wollen, um leichte Solidarität (mit oben) abzugreifen ist auch ein PR-Gag und vernebelt die Realität. Kritik und Satire, egal wie böse, konstituieren kein Machtverhältnis, in dem Regierungspolitiker_innen eine diskriminierte Gruppe sind. 
Ich liebe es übrigens, wenn mir Leute jetzt den Ausgangstweet schicken und meinen, dass ich den analysieren sollte. 😘 schon geschehen. 

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