Zur linken Rationalisierung von Türkis-Grün

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Ok, wenn mich mein schlafendes Kind lässt, dann möchte ich gerne etwas zu den Rationalisierungen von linker Seite für Türkis-Grün sagen. Für mich ist das auch neu, dass ich mich dieser Argumentationen annehme, aber vieles davon sind rechte Spins, denen man aufsitzt. #NatsAnalyse 
1. Türkis-Blau verhindern. Das scheint das stärkste Argument zu sein und so kontextlos richtig es ist, so bitter ist es mit Kontext. Hier wird den Grünen eine Bürde auferlegt, die eigentlich der ÖVP zufällt. Wenn wir uns alle einig sind, dass das aller Wichtigste keine FPÖ ist… 
… warum müssen die Grünen im Alleingang dafür sorgen? Wenn es der ÖVP auch ein Anliegen wäre, dann müsste sie die Grünen locken und nicht umgekehrt. Mir ist der Denkfehler schon klar: die ÖVP würde wieder mit der FPÖ. Que sera, sera. Dann ist es aber auch halt einmal so. 
Diese Realität kann man dann halt auch einmal anerkennen. Die überlegen stimmenstärkste Partei ist eine konservative Partei, die überhaupt kein Problem damit hat, die FPÖ nach Ibiza in eine Koalition zu holen. Die Verantwortung liegt bei der ÖVP, nicht bei den Grünen. 
Ganz furchtbar finde ich dieses Opfer-Bild. Hallo, das ist keine Heiligengeschichte, sondern Politik. Mit politischen Entscheidungen. Und diese gilt es zu bewerten. „Für das Land“ oder „für Europa geopfert“ ist wehleidiger depolitisierter Schmonzens und vernebelt Blick auf die Verhältnisse. 
2. XY oder 123 haben es aber verdient und sind das Gesicht dieser Regierung. Depolitisierung durch Individualisierung. Ich bin nicht gegen Personalisierung, aber immer mit politischen Argumenten. Nur Personen anhimmeln ohne politischen Gehalt, halte ich für fatal. Das ist Stan-Culture.
Es ist immer besser, mir sind Personen sympathisch als sie sind es nicht. Aber mir sind persönliche Lebensplanungen auch blunzn und ich halte nicht autoritäre Politik aus, nur weil x o y so nett sind und es jetzt auch mal verdient haben oben zu sein. War bei Clinton schon ein Problem. 
3. Die ÖVP von innen demokratisieren. Oh, sweet summer child… die ÖVP hat einen Plan, den zieht sie durch. Punkt.Aus.Ende. 
4. Sachpolitik mit dem besseren Argument. Das kommt jetzt vielleicht als Schock, aber die Rechten kennen all eure Argumente. Sie wissen auch um eure moralischen Vorstellungen. Es ist ihnen nur schlicht egal. Sie handeln nicht aus Unwissen so, sondern weil ihnen eure Argumente egal sind. 
5. Endlich gestalten und nicht nur aus Opposition keppeln. Was für eine eingeengte Sicht. Die FPÖ hat das ganze Land bis heute aus der Opposition vor sich her getrieben. Die SPÖ ist in der Regierung unter gegangen. Es geht um Politik, nicht Regierung oder Opposition. 
6. Hauptsache die Grünen sind in Regierung, da ist schon was gewonnen. Nein. Es geht nicht um Namen und Personen, sondern um Politik. Eine Person und eine Partei sind nicht per se progressiv, nur wenn sie Möglichkeitsräume aufmachen. Passiert das gerade?
 
7. Es ist bequem von außen zu keppeln. Nein ist es nicht. Es ist viel bequemer zu den Gewinner_innen zu gehören. Das hier ist nicht bequem. 
8. Aber die SPÖ. Ich kenne diesen Schmonzens von SPÖ-Seite, wie es immer geheißen hat, „aber die Grünen“. Bitte übernehmt alle selbst Verantwortung für euer Handeln und macht nicht die jeweils andere Partei verantwortlich. 
9. Unterschiede werden klar gemacht und bei a, b und c sind wir dagegen. So funktioniert das nicht. Man kann nicht Regierung und Opposition sein. Das ist eine schwache Position. Hop oder Top. Rein oder raus. V.a. weil es darauf ankommt, wessen Vorstellungen umgesetzt werden. 
10. Du bist gemein und schimpfst nur rum. Bitte hinten anstellen mit der Einschätzung. Wenn Kritik gar nicht mehr geäußert werden kann ohne ad hominem Unterstellungen, geht btw auch was verloren. Aber ich weiß, es ist nie gelegen. 
Und eines möchte ich noch anmerken: nicht ich habe meine Einschätzung und meine Analyse und meine Haltung geändert. 

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