Was der Medienbeauftragte der Regierung retweetet hat

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Bemerkenswert: der neue Medien-Quasistaatssekretär Gerald Fleischmann retweetet diesen Tweet just in diesen Tagen. Das ist in normalen Zeiten politische Dummheit, weil es ein Skandal ist. Wir leben aber nicht in normalen Zeiten, also ist es die Arroganz von jemandem, dem nix passieren kann.
Nun denn: eine #NatsAnalyse zum Jahresabschluss darüber, wie ein Teil der neuen Regierung so tickt.
Grosz ist natürlich ein aufmerksamkeitsheischender Rechtsaußen, der außer von oe24 und ein paar rechtsextremen Seiten nicht ernst genommen wird. Und anscheinend von der ÖVP. 
Diese ganze „Umweltsau“-Causa wäre mittlerweile eher Stoff für ein Essay, ich konzentriere mich auf diesen Tweet, in dem vieles ganz konzentriert drinnen ist. Angefangen bei der übertrieben künstlichen Empörung über eine Banalität. Die Aufgeregtheit quillt aus jedem Buchstaben. 
Das ist lustigerweise genau das, was sie den Linken immer vorwerfen. Sie selbst geben sich cool und staatstragend, flippen aber bei der kleinsten Kleinigkeit völlig aus. Das ist nicht kognitive Dissonanz, sondern Eskalationsstrategie, die rechts Räume öffnet und links schließt. 
Rechts muss jede Befindlichkeit zur Staatsaffäre hochgekocht werden, links darf man nicht mal mehr einen Mucks machen, wenn es um Leben und Tod geht. Das ist nichts Anderes als das Aufkündigen jeder Bereitschaft zum Ausgleich und zur Konsensfindung. Links soll schlicht ganz raus. 
Dementsprechend werden Begriffe der maximalen Eskalation verwendet. Neologismen sind eine beliebte Strategie hierfür. „Politpädophilie“ rückt die Unterstützung der Fridays for Future in die Nähe sexualisierter Gewalt. Das verhöhnt die Opfer sexualisierter Gewalt. 
Gleichzeitig werden Kinder/Jugendliche nicht als eigenständige politische Wesen gesehen, sondern als Opfer erwachsener „Neigungen“. Die FFF wissen gar nix und werden von Erwachsenen missbraucht. Das ist nach allen Seiten ein widerlicher und extrem abwertender Vergleich. 
Er schließt auch an die rechtsextreme Erzählung an, dass unter Linken viele Pädophile zu finden wären. Das rührt daher, dass progressive Politik Kinder/Jugendliche altersgerecht aufklären möchte, während Rechte sich gegen jede sexuelle Aufklärung wehren. Sehr heftig wehren.
 
Als nächstes die staatlichen Medien, großes Feindbild von rechtsliberal bis zu völkischen Rechten. Der staatliche Rundfunk ist eines der Zentren  imaginierter linker Hegemonie, die die armen Rechten unterdrückt. Dementsprechend muss er weg. Weg mit der Gebühr ist zentrales Thema. 
Klimafaschismus ist wieder einer dieser Neologismen und Eskalationsbegriffe. Gleichzeitig Schuldabwehr und Spiegel. Wenn die Linken das mit dem Faschismus sind, dann können es nicht die Rechten sein. Dann sind die Rechten sogar Widerstandskämpfer oder „die neuen Juden“. 
Faschismus ist aber Faschismus, hier mein thread dazu.

Faschismus ist nicht, wenn jemand eine andere Meinung als ich hat oder wenn jemand den Planeten retten will. Faschismus ist nicht, wenn ich nur 100 statt 140 fahren darf. Das ist eine Verhöhnung der Opfer.

Und dann noch die „heilige Gretl“. Heilig suggeriert, dass man sie nicht kritisieren darf. Und diese Rechten sind so mutig und tun es aber trotzdem. Quasi aus dem Untergrund heraus im letzten Aufgebot. Die Verniedlichungsform Gretl ist despektierlich und zeigt, dass man sie nicht ernst nimmt.
Was mit diesem Tweet erzählt werden soll: Linke Erwachsene und der staatliche Rundfunk missbrauchen Kinder, um ihre politischen Ziele, ein neuer Faschismus, durchzusetzen. An der Spitze Greta Thunberg. Rechte hingegen sind im Widerstand dagegen. 
Das klingt lächerlich, aber die meinen das wirklich so. Offenbar bis in die neue Regierung hinein. Nicht unspannend, denn wirklich ernst scheint es mit dem Klimaschutz dann nicht zu sein. 

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