Gabalier – Aufmerksamkeit durch Provokation

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Also gut. Ein paar Worte zu Gabaliers Strategie. Es ist ein bisi ermüdend und ihr habt recht, wenn ihr meint man soll diesem Dolm nicht zu viel Aufmerksamkeit mit seinen Provokationen geben. Aber diese Strategien gehen über ihn hinaus. #NatsAnalyse

Wir haben das auch schon bei Jordan Peterson zb gesehen, als Buchhandlungen i Neuseeland seine Bücher nicht mehr verkaufen wollten. Oder immer dann, wenn Rechtsextreme keinen öffentlichen Auftritt bekommen. Es wird dann immer von „Zensur“ „Hexenjagd“ o sogar „Faschismus“ sinniert

Dahinter stecken zwei Strategien, die gerne von rechtsextremer Seite angewandt werden. 1. Mimikry mit Meinungsfreiheit. Sie äffen einen Diskurs nach, der uns zu recht sehr wichtig ist. Der Diskurs um Meinungsfreiheit.
Wenn wir lesen w Journalist_innen, Künstler_innen etc eingesperrt oder gar getötet werden, dann berührt uns das tief. Zurecht. Das ist für die aller meisten Menschen ein großer nicht verhandelbarer Wert. Genau da hängen sich Rechtsextreme emotional dran, meinen aber etwas anderes
Indem sie nämlich so tun als seien sie exakt in der selben Position. Sie behaupten das einfach und weil überschütten uns mit emotionalem Overload. Zensur, Knebel, Meinungsfreiheit – wusch, das sind alles so starke Bilder, wir kommem gar nicht richtig zum Reflektieren.
Wir wissen nur „nein, Zensur und Knebel, das wollen wir ganz bestimmt nicht. Dagegen muss man auf jeden Fall aufstehen. Dagegen kämpfen wir.“ Und schon setzen dann auch wir die Situation von Gabalier und zb Rushdie auf einmal gleich und befinden uns in einer Vorwärtsbewegung.
Besser wäre aber einmal nach hinten zu reflektieren, denn haben wir es hier mit der behaupeten selben/ähnlichen Situation überhaupt zu tun? Nein haben wir nicht. Bei Meinungsfreiheit und Zensur geht es nicht zu letzt auch um die körperliche Unversehrtheit der Schreibenden.
Gabalier, Peterson und Co haben nichts diesbezüglich zu befürchten. Sie werden nicht eingesperrt oder gefoltert. Im Gegenteil: sie verkaufen Millionen Platten und Bücher, sind reich und leben das Leben der oberen 1%. Sie sind die Elite und haben es sehr sehr bequem.
Und in ihrem Mimikry eignen sie sich die Position der Verfolgten, der Unten an. Damit geben sie sich ein mystifizierendes Rebellentum, das ihr eigentliches Leben einfach nicht hergibt. Wer interessiert sich schon für Robin Hood wenn er Bentley fährt und in einer Villa wohnt?
Sie werden aber weder verfolgt noch gefoltert noch irgendeiner speziellen Härte ausgesetzt. Sie werden kritisiert. Und im autoritären Denken ist Kritik keine zulässige Kulturtechnik. Ihnen wird gesagt, d es einem schlicht nicht gefällt was sie produzieren. Auch das ist unzulässig
Nur mit diesem autoritären Mindset kommt man auf die Idee, dass es ein Recht darauf gibt gespielt, publiziert o verkauft zu werden. Auf einer privaten Feier wird es dann nochmal absurder. Muss jd Mensch auf jd privaten Kinderfasching Gabalier spielen, damit es keine Zensur ist?
Müssen jedes Geschäft Peterson verkaufen und jeder Mensch ein Buch von Peterson besitzen, damit wir nicht in den Faschismus gleiten? Ihr merkt hoffentlich mit d Schritt zurück wie absurd die ganze Debatte ist. Das hat nix m Meinungsfreiheit et al zu tun. Gar nix. Das ist Mimikry.
Zu Strategie 2: Diffamieren. Da sind wir schon so abgestumpft, es ist aber wichtig es immer wieder rauszustreichen. Es gibt ein unendliches verbales Trommelfeuer gegen Linke, Antifaschist_innen und Alle, die Rechtsextremen widersprechen. Mit den infamsten Beleidigungen.
Jetzt sind wir schon bei „Faschismus“. Faschismus! Wenige Tage vor dem 8. Mai und am Tag der Befreiung von Mauthausen steht in der Überschrift einer Zeitung, dass die SPÖ faschistisch ist, weil sie keine Gabalier-Lieder auf ihrer Veranstaltung mag. Reflektiert das mal.
Hier ist jeder Damm gebrochen und es ist nur noch traurig wie wenig es aufregt. Im Gegenteil – eine Regierungspartei verbreitet das noch und die Andere schaut zu und grinst. Das ist eine Opfer-Täter-Umkehr und ein Spucken auf alle Opfer des Faschismus.
Faschismus ist nicht, wenn jemandem meine Musik nicht gefällt. Faschismus ist, wenn völkisch reine Kollektive aufgebaut werden und Linke systematisch fertig gemacht werden. Wenn Menschen selektiert werden ein autoritärer Staat aufgebaut wird.
Und es stünde uns gut zu Gesicht, wenn wir jede Relativierung (noch dazu aus Narzissmus und Marketingkalkül) entschieden zurück weisen und jenen, die das auch noch verbreiten klar machen, dass sie mit dieser Einstellung keinen Platz in Verantwortungspositionen haben.
Und ein letzter Satz noch: Medien sollten auf diese Strategien nicht reinfallen und sie für sie Clicks und Lols weiter verbreiten. Das ist verantwortungslos und schäbig. Die passende Überschrift ist „Starsänger verharmlost Faschismus- Eklat“. Bitte. Danke.
Ok ein Addendum von dem ich nicht dachte, dass ich es schreiben muss. Des Bundeskanzler springt zum 2ten Mal ohne Not und offensiv auf rechtsextreme Strategien auf und verbreitet ihre Logik. Das ist ziemlich heftig.
Kurz setzt das rechtsextreme Magazin Aula mit der SPÖ gleich. Aula gibt es in der Form gar nicht mehr und der rassistische Ausfall gegen Sampson ist Monate her. Das jetzt im Zusammenhang mit der SPÖ zu bringen dient nur und einzig dazu die SPÖ zu diskreditieren.
Das passt gut in seine Strategie der letzten Tage. Ihr erinnert euch. Auch die Fake-Bilder-Kampagne gegen @frauherr und das Nichtentschuldigen passt gut dazu. Der Bundeskanzler ist auf einem medialen Zerstörungstrip gegen die Sozialdemokratie.
Der Nebeneffekt davon ist und bleibt, dass er rechtsextreme Logiken verbreitet, banalisiert und normalisiert. Zum wiederholten Mal als Bundeskanzler innerhalb weniger Tage. Ich bleibe auch bei dem Urteil, dass dies aus Kalkül und nicht Überzeugung passiert. Es erschreckt trotzdem

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