Hanau

Ich möchte gleich noch eine #NatsAnalyse nachschieben, weil ich nachher keine Zeit mehr hab. Ich habe mir das Manifest des Terroristen von #Hanau durchgelesen, damit ihr das nicht müsst. Soetwas hat nichts in der Öffentlichkeit verloren und sollte ohne Einordnung nicht wiedergegeben werden.
 
Das Manifest ist anders strukturiert, als jenes des Terroristen von Christchurch oder das Konvolut von Breivik. Es ist eine lange, ausschweifende, paranoide Textwurst, die sehr mühsam zu lesen und zum Folgen ist. Es lassen sich trotzdem Ableitungen treffen.
 
Es fallen mir mehrere Dinge auf, die neben den üblichen rechtsextremen Ideologemen schlagend werden.
1. Eine radikal neoliberale Leistung-Haltung
Der Terrorist teilt immer wieder auf in jene, die etwas leisten und jene, die nichts leisten ein. Er rassifiziert diesen Leistungsgedanken. 
Diese „Völker“, die er namentlich nennt, sollen deswegen vernichtet werden, weil sie nicht zu großen Leistungen im Stande sind. Er selbst sieht sich als jemand, der viel leistet und besser ist als alle Anderen. Das ist ein krass sozialdarwinistisches, neoliberales Weltbild. 
Diesen Zweig gibt es in der Neuen Rechten und auch im parlamentarischen Rechtsextremismus. Das Leistungsprinzip und das völkische Prinzip werden zusammengebracht. Das ist ein ideologischer Unterschied zu anderen Teilen der Neuen Rechten. Der Terrorist argumentiert das ganz hart ökonomisch durch.
 
Das zeigt sich etwa auch daran, dass er auch Teile des „eigenen Volkes“ auslöschen möchte – die „Minderleister“. Leistung ist sein oberstes Prinzip. Wer etwas leistet, ist etwas wert. Wer nichts leistet, muss ausgelöscht werden. Leistung lässt sich völkisch verorten. 
2. Offener Vernichtungswunsch
Er argumentiert ganz offen seinen Vernichtungswunsch durch und kaschiert ihn nicht mit Theorien wie etwa dem großen Austausch. Da steht wortwörtlich drinnen, dass diese und jene vernichtet gehören. Das ist mehr alter Nationalsozialismus als Neue Rechte.
 
3. Antisemitismus
Kaum beachtet, aber er ist auch ein Antisemit. Von wegen Rassismus löst Antisemitismus ab, das existiert ganz gut nebeneinander und potenziert einander. Zu den vernichtenden „Völkern“ gehört auch ganz explizit Israel.
 
4. Frauenhass
Er schreibt sehr lange darüber, was er für hohe Ansprüche an Frauen hat und dass nie eine Frau gut genug für ihn war, außer eine und die wurde ihm von dunklen Mächten („dem Geheimdienst“) weggenommen. Frauenhass ist der große Trigger zur Selbstradikalisierung nach rechts. 

Ich habe hier darüber geschrieben, wie diese drei Ideologeme zusammen gehören. Es ist in jedem Manifest der selbe Dreiklang: Rassismus, Antisemitismus, Frauenhass. Es gehört zusammen. Egal, ob großer Austausch oder offener Vernichtungswunsch.

 

5. Obsession mit den USA
Sehr langatmig berichtet er von seiner Hoffnung in die USA und wie die sich militärisch aufzustellen haben. Diese Faszination gibt es offenbar schon länger, aber Trump war wohl ein unglaublicher Boost. Das zeigt die verheerende Signalwirkung. 
Den Einfluss von Trump und der AltRight kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Wenn der mächtigste Mann der Welt wild herum phantasieren kann, dann eröffnet das unglaubliche Möglichkeitsräume nach rechts. Dieses Manifest ist ein Beleg, was ein Rechtsterrorist daraus macht. 
Dazu passt auch, dass er (nicht im Manifest, aber an anderen Orten) an die Pizzagate-Verschwörung anschließt. Diese besagt, dass das Washingtoner Establishment geheim an Kindesentführungen und – Vergewaltigungen beteiligt ist und diese Kinder in Katakomben unter der Stadt hält.
 
Klingt absurd? Nona, völlig jenseitig. Wurde beim letzten Wahlkampf der demokratischen Kandidatin Clinton vorgeworfen und hält sich bis heute. Tausende Kinder seien Opfer und Trump der Einzige, der das aufdecken kann, weswegen sind „sie“ gegen ihn.
 
Diese fünf Punkte sind mir neben eines enormen Narzissmus und einer tiefsitzenden Paranoia als Erstes aufgefallen. Bitte verlinkt mir hier drunter weitere Ergänzungen. Danke. 

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Juraczka kampagnisiert ad personam

Ich muss schon wieder eine #NatsAnalyse in eigener Sache machen. Schon wieder haben es Teile der ÖVP auf mich ad personam abgesehen und es gibt sehr viel dazu zu sagen, was weit über mich hinaus geht, deswegen nutze ich die Gelegenheit um zu zeigen was hier passiert.
Manfred Juraczka ist hochrangiger ÖVP-Politiker und u.a. bis vor kurzem (2018) Klubobmann der ÖVP-Wien und auch Landesobmann. Also nicht der siebente Zwerg von links, wenngleich die ÖVP unter seinem Wirken zur Mini-Partei in Wien geworden ist. 
Was macht er mit diesem Tweet? Er stellt mich als Person in Frage. Wie kann diese Person sich zu diesem Thema politisch äußern, wo sie doch Referentin für Öffentlichkeitsarbeit (ich habe Reden geschrieben, FB betreut und nicht mit Journis geredet) diesen Job hatte. Skandal Skandal! 
Er impliziert, ich hätte es mir danach gerichtet und umgesattelt und mich plötzlich als Rechtsextremismus-Expertin dargestellt. Die Sache ist halt, und das lässt sich nachvollziehen, ich habe das alles davor schon gemacht, nur wird man davon überraschenderweise nicht reich.
 
Möchte gar nicht zu lange ausholen – mit dem „Ballast“ hat man wenig gute Karten bei Vorstellungsgesprächen und ich werde meiner damaligen Chefin immer dankbar sein, dass sie mir die Chance gegeben hat, ich habe viel von ihr und dem Feld gelernt.
 
Disqualifiziert mich ein „normaler“ Job jetzt aber für meine Tätigkeit in Sachen Rechtsextremismus? Etwas, was seit 2010 fast meine gesamte Freizeit auffrisst und ich mit (zu) hohem persönlichem Einsatz mache? Nur weil ich ich bin stimmen die Aussagen nicht? 
Er hat nämlich 0 inhaltlich auszusetzen. Das wäre ja auch absurd, es geht hier um rechtsextremen Terror und ich spreche von gesellschaftlicher Verantwortung. Was wäre hier die Gegenposition? Nicht so schlimm, dramatisieren wir nicht, mach ma einfach weiter? Eben.
 
Das muss man sich mal vorstellen, da ermordet ein rechtsextremer Terrorist 10 Menschen und ein hochrangiger Politiker der ÖVP ist dagegen, dass jemand im TV drastische Worte findet. Für wen ergreift er hier Partei und warum? Warum tut er das in diesem Moment? 
Er nutzt den Terror und die Berichterstattung darüber, um es über sich zu machen. Weil ich böse zur ÖVP war, ist das eine Chance mir einen virtuellen Ellenbogencheck zu geben. Zynisch in Anbetracht des Themas. Und narzisstisch. 
Das Zweite was hier versucht wird, ist mich meines Berufes zu berauben. Ich soll meine Existenz nicht mit meiner Expertise zu Rechtsextremismus bestreiten dürfen. Denn solche Tweets stellen ja auch die Seriosität der Medien, die mich featuren, in Frage.
 
Seid ihr euch sicher, dass ihr die einladen wollt? Die ist keine Expertin, sondern was auch immer. Redakteur_innen sehen das und denken sich vielleicht, lieber nicht anstreifen. Gerade, wenn jemand einer Regierungspartei sowas sagt, ist das ja nicht nix. 
Das hat Methode, viele Wissenschaftler_innen hat es weit schlimmer getroffen, ich erinnere vor allem an feministische Wissenschaftler_innen und Sexualpädagog_innen, die bis zur Aufgabe malträtiert wurden und werden. Es ist inakzeptabel. 
Nur war das bis jetzt immer die extreme Rechte, die Wissenschaftler_innen persönlich diskreditiert hat, hier sind es Konservative. Es ist bemerkenswert, wie sich die Methodik angleicht. Beide haben das selbe Ziel: linke Wissenschaftler_innen sollen nicht öffentlich reden dürfen. 
Drittens funktioniert so ein Tweet als dog whistle. Er ruft die einschlägigen Leute auf den Plan, sich an mir abzuarbeiten. Und das sind FPÖler und Nazis. Das zeigen likes und rts. Besonders lustig allerdings eine ehemalige Referentin der Neos, die jetzt unabhängige Journalistin ist.
Hier noch ein Beispiel welche Drukos der Ausgangstweet provoziert. Es ist eine dog whistle für Rechtsextreme. Nix verborgen, nix widersprochen.
Long story short: Juraczka arbeitet daran, mir persönlich die Existenzgrundlage zu entziehen. Das ist kein bashen auf Augenhöhe, das ist jemand, der aus der Position der Regierungspartei gegen eine Wissenschaftlerin (in Karenz) und ohne institutionelle Anbindung tritt. 
Es ist nicht das erste Mal, das ich von hochrangigen ÖVP-Accounts angegriffen werde. Wenn das zur Methode wird, sollen alle linken (v.a. SPÖ-nahen= Expert_innen zum Schweigen gebracht werden. Das ist ein schwerer Eingriff in den demokratischen Diskurs.
Die ÖVP muss damit aufhören. Inhaltlicher Widerspruch ja immer, persönliche Diffamierung nein.
Danke fürs Zuhören.
(Sorry für so lange. Ja es trifft mich persönlich, ich gebe das zu. Ich habe wirklich Angst, Aufträge zu verlieren und das nicht mehr machen zu können. Aber ich bin ja nur ein Testballon und ich mag nicht, dass sie es bei Anderen auch so machen) 

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Rechtsextreme Normalisierung – Zur Kemmerich-Wahl

Ich gratuliere der deutschen Zivilgesellschaft und den antifaschistischen Parteien zu diesem Erfolg.
Leider ist ein einmal begonnener Erosionsprozess nicht rückgängig zu machen. Dieses Mal waren 90% schockiert. Aber 10% wollten diskutieren was geht. Hier wird das Spielfeld erweitert.
Das nächste Mal sind vielleicht nur 75% schockiert und 25% wollen diskutieren, ob nicht vielleicht doch. Dann gibt es noch mehr Artikel und längere Diskussion. Beim übernächsten Mal sind es dann vielleicht 65%, die schockiert sind. Vielleicht kann man ja doch? 
2 Schritte vor und einer zurück ist die klassische Normalisierungsstrategie von Rechtsextremismus. Ein wenig zu viel gewagt, schauen wie weit man es biegen kann und wenn es zu viel war, gerade nur so weit zurück, bis es akzeptabel ist. Beim nächsten Mal geht mehr.
 
Denn solange die AfD eine strategische Variante bleibt gegen progressive Kräfte, solange wird es bedeutende Leute geben, die da drüber nachdenken wollen. In Krisenzeiten gibt niemand eine strategische Variante auf. Und einmal das Tabu gebrochen, bleibt es gebrochen. 
Der entscheidende Faktor im Kippen der Gesellschaft sind die Bürgerlichen. Schaut euch Österreich, Polen, Ungarn oder die USA an. Es sind die Bürgerlichen die Rechtsextreme reinholen oder selbst zu welchen werden. Bleibt wachsam, solidarisch und geschlossen gegen Rechtsextremismus. 

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